Mediation verhindert Gerichtsprozesse

By admin Juli 10th, 2011

Lebensmittelzeitung vom 16.06.2011 – Serie Arbeitsrecht – AuĂźergerichtliche Konfliktlösung – Neues Gesetz – Beispiel aus der Lebensmittelproduktion

LZnet/sb. Innerbetriebliche Streitigkeiten blockieren Arbeitsprozesse und schaden dem Unternehmen. Mediation sucht nach Lösungen, bevor ein Gericht entscheiden muss. Das spart Zeit und Kosten.

Spannungen gehören zum Arbeitsalltag. Doch wenn sie dazu führen, dass die Mitarbeiter ihre Aufgaben nicht mehr befriedigend erfüllen, dann beginnt oftmals ein zäher, langwieriger Prozess: Frustration, Leistungsabfall, Abmahnung, Kündigung – am Ende landet die Sache vor Gericht. Bis es zu einem Urteil kommt, können Monate oder Jahre vergehen. Und mit dem Ergebnis sind möglicherweise beide Parteien unzufrieden.

Claudia MĂĽller-Conen und Andreas Ruf sind ĂĽberzeugt, dass die meisten derartigen Probleme schneller und ohne gerichtliche Auseinandersetzung zu einem besseren Ergebnis gefĂĽhrt werden können. Die beiden Wirtschaftsmediatoren sind Vorstände des vor zwei Jahren gegrĂĽndeten Verbands fĂĽr Mediation und Conflictmanagement in Frankfurt. “Wir stellen weniger den Rechtsanspruch in den Fokus, sondern die Suche nach Lösungen”, stellt MĂĽller-Conen klar.

Frustration und Kommunikationsprobleme

Erst kürzlich haben sie folgende Auseinandersetzung bei einem namhaften Lebensmittelproduzenten erfolgreich begleitet: Als der Betriebsleiter eines der Werke in Ruhestand ging, übernahm ein Manager aus der Zentrale dessen Position. Nach einigen Monaten zeigte sich, dass die Produktionsergebnisse nicht mehr den Anforderungen entsprachen. Die Geschäftsleitung merkte das aber erst, als ein Kunde sie auf Probleme hinwies.

Erste Gespäche mit dem neuen Werksleiter und seinem Team offenbarten schnell, dass die Ursachen nicht ausschließlich auf sachlichen Fakten beruhten. Die Kommunikation zwischen dem Chef und einem führenden Teammitglied war gestört. Anstatt jedoch mit Abmahnung und Kündigung zu drohen, schaltete die Geschäftsleitung die Wirtschaftsmediatoren ein.

In persönlichen Gesprächen mit allen Beteiligten konnten sie die Ursachen schnell benennen: Der führende Mitarbeiter hatte selbst mit der Beförderung zum Betriebsleiter gerechnet und fühlte sich durch die Stellenbesetzung übergangen. Er reagierte frustriert, enthielt seinem neuen Chef Informationen vor und boykottierte durch eine Vielzahl von Kleinigkeiten die Abläufe des Betriebs.

Klassische Win-Win-Situation

Die Mediatoren konzentrierten sich im nächsten Schritt darauf, gemeinsam mit den Kontrahenten eine Lösung zu erarbeiten und so die Kommunikation im Team wieder in Gang bringen. “Das ist eine klassische Win-Win-Situation”, sagt Ruf. “Denn kooperativ entwickelte Lösungsmodelle werden von allen Personen mitgetragen.” Nachdem die Vielschichtigkeit der Störung offen ausgesprochen war, konnten die ursprĂĽnglichen Streithähne im beschriebenen Fall wieder konstruktiv zusammenarbeiten.

Der fachlich kompetente, aber frustrierte Mitarbeiter bekam mehr Verantwortung in einigen Bereichen und die Chance, durch einen erfolgsabhängigen Bonus auch sein Gehalt aufzubessern. Er fühlte sich nicht mehr als Verlierer.

Der gezielte Ansatz, im Streitfall einen Konsens zu suchen, ist noch nicht sehr bekannt. Insbesondere im Wirtschaftsleben wird dieser Weg selten beschritten – unabhängig davon, ob es sich um innerbetriebliche Probleme handelt oder um Auseinandersetzungen mit externen Geschäftspartnern. Dies dürfte sich bald ändern.

Denn die Bundesregierung steht kurz davor, eine EU-Richtlinie in deutsches Recht umzusetzen. Als Anlaufstelle für Unternehmen ermitteln sowohl die entsprechenden Verbände als auch die Industrie- und Handelskammern Kontakte zu Fachleuten, die sich an die Qualitätsstandards des EU Code of Conduct halten.

Gute Erfahrungen mit Wirtschaftsmediation

Die Erfahrungen sind überzeugend: Mediation ist kostengünstig umsetzbar. Ein Wirtschaftmediator wird ähnlich wie ein Rechtsanwalt nach Stunden- oder Tagessätzen bezahlt, Gerichtskosten entfallen. Die Analyse eines Unternehmens, dass bereits mehr als 40 Fälle auf diese Weise regeln konnte, hat eine Erfolgsquote von 70 Prozent ergeben.

In wenigen Tagen und machmal sogar nur Stunden konnten die Probleme aus der Welt geschafft werden. Die Vereinbarung, auf die sich die Beteiligten geeinigt haben, wird am Ende eines solchen Verfahrens schriftlich festgehalten und unterschrieben. Sollte sich eine Partei dann doch nicht daran halten, steht immer noch der Weg vors Gericht offen.

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